Tarnen & Täuschen: Jugendliche in Facebook verwirren Eltern und Online-Werber

Tarnen & Täuschen: Jugendliche in Facebook verwirren Eltern und Online-Werber: (Alexander Klaus, Pixelio.de)

Wie Jugendliche in Facebook öffentlich sind und gleichzeitig ihre wahren Interessen vor den „befreundeten“ Eltern in Facebook verschleiern, darüber klärt uns eine aktuelle Studien aus den USA auf.

Dieses Verhalten ist grundsätzlich nicht neu, auch wenn es in den Medien bisher kaum publik wurde. Schon 2011 hielten Danah Boyd und Alice E. Marwick vom Microsft Research Center in ihrer Studie „Social Privacy in Networked Publics: Teens’ Attitudes, Practices, and Strategies“ fest, dass Jugendliche in den USA begonnen haben auf Facebook mit Codes zu kommunizieren.

Diese Codes darf man sich nicht wie eine verschlüsselte Nachricht der Geheimdienste aus dem 2. Weltkrieg vorstellen. Vielmehr sind Begriffe, sowie sie allgemein und natürlich insbesondere von den Eltern der Teenager verstanden werden, oftmals ins Gegenteil verkehrt. Boyd meint dazu „Ein Kommentar in Facebook sieht dann so aus, als meine er eine Sache, während er eigentlich das Gegenteil bedeutet.

Facebook, Eltern und die eigene „Privacy“

Vielfach finden Eltern es „cool“, den Freundestatus bei ihren Kindern zu haben um so an deren Leben abseits des gemeinsamen Haushalts teilhaben zu können. Aber wollen das auch ihre Kinder? Rückblickend finde ich es gut, dass meine Eltern nicht immer wußten wo und mit wem ich unterwegs gewesen bin. „Privacy“ wollten wir Jugendliche damals schon, wenn der Begriff auch ein anderer war. Und das alles soll sich in den letzten 3 Jahrzehnten geändert haben? Mitnichten, aber manchmal können Eltern eben schon ein wenig naiv sein.

Als Teenager ist es nicht leicht, sich dem aus der Sicht der Eltern berechtigten Interesse am (Online)Leben zu partizipieren, auch zu widersetzen. Um dann aber seiner eigenen Privatsphäre Genüge zu tun und auf Facebook deswegen mit seinen Freunden, in den meisten Fällen dabei auch realen, nur eingeschränkt zu kommunizieren und seine Inhalte permanent auf „Elterntauglichkeit“ zu prüfen, ist auf Dauer sicher auch mühsam und frustrierend.

Jugendliche in Facebook täuschen mit Insiderwitzen und obskuren Begriffen

Viele schlagen daher einen anderen Weg ein: Laut einer Studie des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts PewResearchCenter arbeiten 62% der älteren Jugendlichen in Facebook bewußt mit Insiderwitzen und teils obskuren Begriffen, um Personen außerhalb ihrer Peergroup den eigentlichen Inhalt zu verschleiern, bei den jüngeren Usern sind es 46%. Falsche Angaben zu Namen, Alter und Standort benutzen immerhin noch 26%. So öffentlich ihr Leben auch scheinen mag, die für die Teenager wirklich wichtigen Dinge verschleiern sie damit im Bewußtsein überwacht  zu werden. „Diese Praxis wird langsam zum Massenphänomen“ meint Boyd und freut sich, endlich auch hartes Zahlenmaterial darüber zu haben.

Falsche Zahlen gefährden Geschäftsmodell von Facebook & Co

Die „soziale Stenografie“ geht mittlerweile über den textlichen Bereich hinaus und dehnt sich auf die digitale Fotografie aus: Was mache ich aber mit einem Donut auf Instagram, wenn damit etwas anderes, nur kein Donut, gemeint ist? Diese Frage ist aber viel weiterreichender als sie zunächst scheint: Facebook & Co leben davon, basierend auf den angegeben Daten und den veröffentlichten Interessen & Beiträgen zielgerichtet Anzeigen zu schalten – wenn diese Daten aber nicht mehr valide sind, ist deren Geschäftsmodell ernsthaft gefährdet.

Links:

http://www.pewinternet.org/Reports/2013/Teens-Social-Media-And-Privacy.aspx
http://boingboing.net/2013/05/22/social-steganography-how-teen.html
http://www.heise.de/tr/artikel/Mit-Teenagerslang-gegen-Facebooks-Werbealgorithmen-1876426.html

 

 
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